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Fliesen & Platten 12/2007


Werner Roßkopf, Diplom-Volkswirt, freier Fachjournalist aus Wachenheim an der Weinstraße mit den Schwerpunkten Bauen und Wohnen

Moderner Betonwerkstein ist in seiner Vielseitigkeit kaum zu überbieten. Mit seiner nahezu unbegrenzten Formbarkeit und Funktionalität bietet er alle Möglichkeiten kreativer Gestaltung in Haus und Garten.

Nach manch negativen Schlagzeilen in der Vergangenheit erlebt der Baustoff Beton derzeit eine Renaissance. Denn die Betonindustrie und vor allem die Betonwerksteinhersteller haben die graue Tristesse früherer Jahre abgelegt. Beton ist heute ein vielfältiger, technisch und gestalterisch anspruchsvoller Werkstoff, der auch ökologische Qualitäten hat. Dies gilt speziell für den Betonwerkstein.


Betonwerksteinplatten für den Außenbereich werden meist auf so genannten Plattenpressen in den Formaten 40x40, 40x60 und 5Ox50 Zentimeter produziert. Es gibt aber auch Pflastersteine mit entsprechender betonwerksteinmäßiger Oberfläche.


Ein "Leckerbissen" für jeden Bauherrn und Architekten ist nach wie vor der klassische Terrazzoboden.

Qualitäten lassen sich gezielt steuern

Betonwerkstein ist ein vorgefertigtes Erzeugnis aus bewehrtem oder unbewehrtem Beton, dessen Oberfläche werksteinmäßig bearbeitet oder durch entsprechende Formgebungen gestaltet wird. Es handelt sich bei ihm also um einen Beton, dessen technische und optische Qualitäten gezielt gesteuert werden können. In Verbindung mit den bekannten Beton-Eigenschaften wie Dauerhaftigkeit, Witterungsbeständigkeit und Feuersicherheit bildet der Betonwerkstein eine spezielle Variante dieses Baustoffes und erschließt ihm eine breite Palette von Anwendungsmöglichkeiten. Sie reichen von Treppen und Bodenbelägen innen und außen über Terrazzoböden und Fassaden bis hin zur Innen- und Außenmöblierung sowie Gestaltungselementen aus Betonwerkstein.

Als Bindemittel für Betonwerkstein werden in der Regel Normzemente verwendet - insbesondere der weiße Portlandzement "Dyckerhoff Weiss". Er bietet sowohl für den Planer als auch den Betonwerksteinproduzenten aufgrund seiner gleichmäßigen Farbgebung eine optimale Grundlage. Weiterhin werden Gesteinskörnungen mit unterschiedlicher Korngröße eingesetzt. Zum Einfärben kann sowohl fast die gesamte Farbvielfalt der in der Natur vorkommenden Gesteine als auch anorganische Pigmente (in der Regel Metalloxide) verwendet werden.

Technische Innovationen vergrößern Einsatzspektrum

Gerade auf dem Gebiet des Betonwerksteins hat es in der jüngsten Vergangenheit auf mehreren Sektoren richtungweisende Entwicklungen gegeben. Im Maschinenbau ermöglichen heute Hochleistungsmischer und -pressen sowie Diamantsägen die Herstellung von Betonwerksteinen allerhöchster Qualität. Hinzu kommen modernste Verfahrenstechnologien, die nicht nur eine Optimierung der Produktionsabläufe, sondern auch der Produkte bewirken.

Ganz entscheidende Impulse kommen aber auch von Seite der Ausgangsstoffe. Neben den Betonzusätzen sind hier vor allem die neuen Hochleistungsbindemittel zu nennen, wie beispielsweise "Dyckerhoff Flowstone". Sie wurden speziell für die Herstellung von hochwertigsten Betonerzeugnissen entwickelt.

Betone auf Basis dieser Bindemittel erreichen bei Wasser-Zementwerten zwischen 0,29 und 0,35 Biegezugfestigkeiten bis zu 15 MPa und Druckfestigkeiten von mehr als 100 MPa. Damit können insbesondere schlanke, filigrane und dünnwandige Bauteile mit der nötigen Sicherheit produziert werden.

Sie zeichnen sich durch hohe Kantenfestigkeiten, Langlebigkeit, Widerstandsfähigkeit gegen viele Belastungen, wie zum Beispiel Tausalz-Einsatz, sowie geringe Porositäten und damit geringere Verschmutzungsneigung aus. Speziell Betonwerksteinplatten können durch die hohen Biegezugfestigkeiten 50 Prozent dünner hergestellt werden als Produkte aus konventioneller Fertigung. Nicht zuletzt bedeutet das damit einhergehende geringere Gewicht der einzelnen Elemente auch für den Verarbeiter eine einfachere Verlegung.


Heute gibt es Betonwerksteinmöbel mit porenarmen Oberflächen und exakten Kanten in allen Formen und Farben. (Foto: Klee)


"Flowstone" macht es möglich: Auch die "Wabenwand" ist aus Betonwerkstein. (Foto: Villa Rocca)


Durch entsprechende Oberflächenbearbeitungen lassen sich bei Betonwerkstein die verschiedensten Wirkungen und Stile erzeugen. (Foto: Angermüller)

Zusammen mit den Weiterentwicklungen in der Bauchemie haben die mit "Flowstone"-Betonen hergestellten Baustoffe entscheidend dazu beigetragen, dass Betonelemente speziell im gesamten Innenausbau an Bedeutung gewonnen haben. Da sich auch besonders schwierige Formen jederzeit realisieren lassen, entdecken immer mehr Menschen die kreativen Möglichkeiten des pflegeleichten Baustoffs bei der Gestaltung ihres Interieurs. So gibt es heute Betonwerksteinmöbel mit porenarmen Oberflächen und exakten Kanten in allen Formen und Farben. Und dies nicht allein für Küche und Bad, sondern auch als Regalsystem, Sessel, Hocker oder ähnlichem mehr für den Wohnbereich.

Durch Bearbeiten die Oberfläche gestalten

Die Oberfläche des Betonwerksteins kann durch die Verwendung von speziellen Strukturschalungen (zum Beispiel Schiefer- oder Rillenstrukturen) oder durch eine entsprechende Oberflächenbearbeitung gestaltet werden. Verwendet man eine Schalung, so wird die Farbigkeit des Betonwerksteins durch die Auswahl des Zementes (grau oder weiß), dem Einsatz von Pigmenten und dem Mehlkornanteil im verwendeten Sand bestimmt.

Durch Oberflächenbearbeitungen am frischen oder bereits erhärteten Beton wird die Zementhaut der Betonoberfläche mehr oder minder entfernt, und die Eigenfarbe der verwendeten Gesteinskörnungen tritt hervor. Der erhärtete Beton wird dabei per Hand oder mit Maschine bearbeitet.

Eine gängige Bearbeitungsart ist das Feinwaschen, bei der die Oberfläche eine Sandstein-ähnliche Struktur erhält. Bei grobem Auswaschen wird das Grobkorn nur knapp zur Hälfte freigelegt. Bei gewaschenen Betonoberflächen dominieren immer die Gesteinsoberflächen und deren Eigenfarbe. Diese Bearbeitungsart wird vorwiegend für Beläge im Freien verwendet.

Repräsentativ und edel wirken geschliffene und feingeschliffene Betonoberflächen. Sie vertiefen je nach Feinheitsgrad des Schliffs die Eigenfarbe der Gesteinskörnung. So ergibt sich ein interessantes und lebhaftes Bild. Durch die Glätte der Oberfläche können sich Schmutz und Staub nur schlecht ablagern.

Bei fein geschliffenen Oberflächen wird die Eigenfarbe des eingesetzten Steins sichtbar, und je nach Korngröße und Schleiftiefe erscheint das Korn in seiner gesamten Größe. Gerade fein geschliffene Oberflächen bieten im Gegensatz zu schalungsglatten Oberflächen eine hohe mechanische Beständigkeit.

Weitere gängige Bearbeitungsarten sind das Strahlen oder Flammstrahlen, das Absäuern, das Bossieren, das Spitzen, das Stocken oder das Scharrieren der Oberflächen. Durch Oberflächenbearbeitungen kann auch die rutschhemmende Eigenschaft von Betonwerksteinoberflächen gezielt gesteuert werden.

Eine Oberflächenbehandlung, etwa in Form einer Versiegelung, Konservierung oder Imprägnierung, dient in erster Linie dazu, die Wasseraufnahme und die Verschmutzungs- oder Ausblühneigung des Betons zu reduzieren sowie seine Frost-Tausalz-Widerstandsfähigkeit zu verbessern.

So werden Betonwerksteinplatten hergestellt

Durch die beliebige Formbarkeit von Beton lassen sich unterschiedlichste Produkte mit gleicher Optik produzieren. Einschichtige Betonwerksteinplatten werden entweder aus "Flowstone" in einer einschaligen Form gegossen oder aus einem großen homogenen Betonblock (245x136x70 Zentimeter) herausgeschnitten. Diese Blöcke werden im so genannten Vakuum-Pressverfahren hergestellt, wie es zum Beispiel die Firma BMT rekostein in Dudenhofen durchführt.

Die Dicke der Platten beträgt in der Regel 20 Millimeter, jedoch werden auch Betonwerksteinfliesen mit Dicken von 14 bis 15 Millimetern produziert. Die Abmessungen betragen je nach Hersteller 33x33, 48x26 oder 60x33 Zentimeter. Weitere Formate können problemlos aus den Blöcken geschnitten werden.

Betonwerksteinplatten für den Außenbereich werden meist auf so genannten Plattenpressen in den Formaten 40x40, 40x60 und 50x50 Zentimeter produziert. Es ist jedoch auch möglich, großformatige Platten von 100x100 Zentimeter und größer zu fertigen.

In Ergänzung zu den Betonwerksteinplatten können auch Pflastersteine mit entsprechender betonwerksteinmäßiger Oberfläche hergestellt werden. Die große Flexibilität der Herstellbetriebe ermöglicht es über ein umfangreiches Standardprogramm hinaus, Sonderwünsche hinsichtlich Farben, Formaten, Dicken in jeder beliebigen Abstufung umzusetzen.

Im Innenbereich werden auch zweischichtige Betonwerksteinplatten verlegt, die auf Plattenpressen hergestellt werden. Diese bestehen aus einem farbigen, fein geschliffenen Vorsatzbeton und einem grauen Kernbeton. Die Abmessungen betragen in der Regel 30x30 Zentimeter, und je nach Verwendungsgebiet sind sie in Dicken von 2,7 oder 3,5 Zentimeter erhältlich.

Einschichtige Betonwerksteinplatten werden in der Regel im Dickbett mit einer Mörtelbettdicke von 1,5 bis 3,0 Zentimetern verlegt. Sowohl die ein- als auch die zweischichtigen Platten können jedoch auch im Dünnbett verlegt werden, wenn der Planer kalibrierte Platten mit einer Dickentoleranz von +/- 0,5 Millimetern ausschreibt.

Fugenlose Terrazzoböden sind zeitlos schön

Ein "Leckerbissen" für jeden Bauherren und Architekten ist nach wie vor der klassische Terrazzoboden - ein vor Ort eingebrachter, fugenloser Bodenbelag aus Beton, der meist zweischichtig hergestellt wird. Die obere Schicht wird Terrazzovorsatz, die untere Unterbeton genannt. Beide Schichten bilden eine Einheit, die den geforderten Beanspruchungen standhält.

Jedes Stück Terrazzo ist dabei ein einmaliges handwerkliches Meisterwerk. Wunderbare Unikat-Fußböden aus allen Jahrhunderten geben Zeugnis für die Beständigkeit dieses wertvollen, klassischen Bodenbelags.

Das Besondere am Terrazzo ist die spezielle Terrazzo-Rezeptur sowie das durch Walzen erzielte dichte "Korn-an-Korn-Gefüge". Terrazzoböden sind daher robust, pflegeleicht, nicht brennbar und vor allem bezüglich ihrer Optik individuell gestaltbar.

Mittels farbiger Gesteinskörnungen wie beispielsweise Marmor oder Kalkstein, Pigmente und/oder weißem oder grauem Portlandzement können bei Terrazzoböden alle gewünschten Farbkreationen erzielt werden. Die Oberfläche wird in der Regel feingeschliffen, kann aber auch gewaschen werden.

Durch Trennschienen aus Messing oder farbigem Kunststoff werden die Böden dekorativ in Felder unterteilt. Interessante Möglichkeiten, mit dem Material zu spielen, ergeben sich auch durch das Einbringen verschiedenfarbiger Mischungen oder das Einarbeiten von Ornamenten und Intarsien unterschiedlichster Art.


Zum Einfärben von Betonwerksteinen kann man sowohl fast die gesamte Farbvielfalt der in der Natur vorkommenden Gesteine als auch anorganische Pigmente verwenden. (Foto: Bayer)

Keine säurehaltigen Reinigungsmittel verwenden

Betonwerksteinplatten haben im Vergleich zu keramischen Fliesen oftmals einen geringen Fugenanteil, wodurch sich dort weniger Schmutz absetzen kann und die Flächen leichter zu reinigen sind. Normalverschmutzte Steine im Außenbereich können mit einem Straßenbesen, Wasser und eventuell dem Einsatz von Schmierseife gereinigt werden. Bei stärkeren Verschmutzungen durch Lehm, Mörtelreste, Algen, Moose oder Flecken von Blättern und Blumen können handelsübliche Reinigungsmittel eingesetzt werden.

Im Handel wird zudem eine Reihe von Pflegemitteln zur Behandlung von Betonwerksteinplatten angeboten. Diese Oberflächenbehandlungen können farbvertiefend oder farbneutral wirken. Dabei ist jedoch unbedingt auf den möglichen Einfluss der Reinigungs- und Pflegemittel zu achten. Auf keinen Fall sollten säurehaltige Reinigungs- und Pflegeprodukte verwendet werden. Säure löst den Stein an der Oberfläche, hierdurch entstehen Rauigkeit und Mattigkeit.

Im Innenbereich dürfen ebenfalls keine säurehaltigen Produkte eingesetzt werden. Außerdem sind solche Mittel tabu, die Komplexbildner enthalten. Die jeweiligen Herstellerhinweise auf den Gebinden, insbesondere auch hinsichtlich des erforderlichen Trocknungszustand und der notwendigen Auftragstemperatur, sollten daher sorgfältig gelesen und beachtet werden.

Da die chemische Zusammensetzung der Reiniger oftmals auf den ersten Blick nicht zu erkennen ist, empfiehlt es sich, die Präparate vor dem Einsatz auf ihre Eignung für Betonwerkstein zu prüfen. Zu diesem Zweck hat die info-b einen Schnelltest für Betonwerksteinreiniger entwickelt. Mit Hilfe eines einfachen Prüfsets lassen sich ungeeignete Reinigungsmittel auch ohne aufwändige Labortests schnell und sicher erkennen und so Schäden vermeiden.

Das Prüfset kostet 90 EUR inkl. Mwst. und kann per Fax bestellt werden (0611-60 90 92).

Empfehlenswert ist auch die Verwendung von Platten, die schon werkseitig behandelt, das heißt mit einer vor Verschmutzung schützenden Imprägnierung oder Versiegelung versehen wurden. Sie weisen nicht nur eine wesentlich geringere Verschmutzungsneigung auf, sondern erleichtern auch die spätere Reinigung und Pflege.


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